Check-in: Hey, wie geht´s?

Moderationsmethoden Serie Teil 1

Gespräche in Gruppen haben großes Potenzial in mehrere Richtungen: begeisternde Co-Kreation in Teammeetings und tiefgehende Persönlichkeitsentwicklung und Verbundenheit auf Seminaren sind ebenso möglich wie ziellose Diskussionen und ermüdendes Durcheinander ohne Ergebnis.
Eine gute Moderation kann helfen Gespräche sinnvoll zu gestalten.
Ich habe Lust euch hier in dieser Blogserie einige meiner Lieblingsmethoden vorzustellen und meine Erfahrungen und Gedanken dazu zu teilen. Auf dass es euch hilft eure Gespräche fruchtbarer zu machen und Verbindung mit euren Gesprächspartnerinnen zu schaffen!
Heute fange ich am Anfang an: Mit dem Check-In
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Hallo, wie gehts?

Das ist der erste Satz, der oft in einer neuen Fremdsprache gelehrt wird und der erste Satz, den Menschen sich floskelhaft zur Begrüßung zuspielen. Die Antwort ist meist eine Variante von „gut“, vollkommen egal, was wir tatsächlich grade fühlen und erleben. Im Rheinland ist man wenigstens ehrlich und erwidert „Et muss, wa.“ – Es muss.

Doch was passiert, wenn wir diese Frage mal ehrlich stellen und ehrlich daruf antworten? In moderierten Workshops wird das oft gemacht und heißt dann Check-in. Ich mache das sowohl in Workshops, als auch bei Teammeetings, entweder in der ganzen Gruppe oder lasse die Gruppe sich aufteilen in 2er oder 3er Kostellationen, um sich gegenseitig zuzuhören zu einer Frage wie „Wie bist du heute hier?“, „Was ist heute lebendig in dir?“ oder „Wie fühlst du dich hier und jetzt?“. Ich frage absichtlich nicht „Wie gehts dir?“ obwohl ich – wörtlich genommen, genau das wissen möchte. Würde ich „Wie gehts dir?“ fragen, wäre bei vielen die Gewohnheit zu stark, mit einer Floskel zu antworten.

Warum ist es überhaupt wichtig, das zu fragen?

Mir fallen drei Gründe ein: Sich aktuelle Gefühle von der Seele reden, um dann gut mit der Aufmerksamkeit im Gespräch sein zu können, die Möglichkeit Rücksicht aufeinander nehmen zu können, da wir wissen, wie es den anderen in der Gesprächssituation grade geht und das Schaffen von Verbundenheit durch den persönlichen Austausch.

Von Herzen zuhören

Während mein Gegenüber auf die Chek-In Frage antwortet, versuche ich aufmerksam zuzuhören und einen Eindruck davon zu bekommen, wie dieser Mensch grade da ist. Ich achte darauf, wie ich mich fühle, während ich zuhöre, welche Resonanz das Geteilte in mir hervorruft. Ein anderer Aspekt des „von Herzen Zuhörens“ ist für mich, dass ich mich bewusst in eine wohlwollende Haltung begebe, während ich zuhöre. Anstatt die einzelnen Worte auf eine Goldwage zu legen, versuche ich, mich in den Menschen hineinzuversetzen.

Was brauchst du?

Im Anschluss an Varianten von „Wie fühlst Du dich?“ frage ich gern „Was brauchst Du jetzt hier?“ oder „Was brauchst Du, um gut hier sien zu können?“ So gibt es eine Gelegenheit dafüh zu sorgen, dass alle Anwesenden ihre Grundbedürfnisse befriedigt haben und sich dann tatsächlich auf das Gespräch einzulassen.

Tiefe und Ehrlichkeit der Antworten

In welcher Tiefe die Frage beantwortet wird, hängt davon ab, wie lange die Gruppenmitglieder sich untereinander kennen und in welchen Verhältnis sie zueinander stehen. Ich lese es als Zeichen, dass die Gruppe zusammenwächst, wenn nach und nach die Antworten beim Check-in lebenswichtigere Themen berühren. Manchmal habe ich erlebt, dass ein paar Mutige sich zuerst öffnen und dies andere inspiriert, selbst mehr zu teilen.
Sollte euch auffallen, dass die Check-in Fragen unehrlich beantwortet werden, also zum Beispiel die Kollegin in der Checkin Runde behauptet, sie fühle sich sauwohl im Team, dir aber unter vier Augen sagt, dass sie sich eigentlich total missverstanden fühlt und hadert, ist dies ein Anlass sich zu fragen, was im Team Veränderung bedarf.

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